(c) Nele Hendrikje Sandner; Installationsansicht mit CUT auf der großen Collage "Kollege", 2022, handgeschöpftes Papier, Tusche, Naturfärbemittel, Acryl, Buntstift, Holz, Baumwolle.
(c) Khadija EL ABYAD; "Membres Rebelles (recto)", 2021-2022, Zeichnung aus gesticktem Haar auf Papier und gepresstes Haar unter Glas.
(c) Valentine Gardiennet; Ausstellungsansicht "Ring my Bell: il pleut, la maison brule et le telephonne sonne" in La Tolerie, Clermont-Ferrand, 2023; Farbstifte, Metall, Wandtapete.

In Memoriam Renate Reichert

Das Stipendium für Zeichnung und Papierkunst der Stadt Waiblingen, kurz Waiblinger Papierkunststipendium, wurde 2023 zum ersten Mal vergeben. Das national einzigartige Projekt wird ermöglicht mit Unterstützung der Eva Mayr-Stihl Stiftung durch einen Nachlass von Renate Reichert an die Stiftung.

Wer war Renate Reichert?

Ein Porträt der SWR-Redakteurin Sophia Volkhardt beleuchtet die Vita von Renate Reichert und die Umstände ihres tragischen Todes. Dabei besuchte Sophia Volkhardt auch die Nachwuchsstipendiatinnen in ihrem Atelier in der Galerie im städtischen Kameralamt Waiblingen. Schauen Sie den Künstlerinnen über die Schulter und sehen Sie, wie die drei das Erbe von Renate Reichert würdigen: www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/kunstfoerderung-nach-schrecklicher-tat-100.html

Renate Reichert starb an einem Adventssonntag im Dezember 2019 als zufälliges Opfer eines Gewaltverbrechens, erstochen auf offener Straße im Stuttgarter Westen von einem ihr unbekannten Mann. Renate Reichert wurde 77 Jahren alt. Sie war alleinstehend und genoss ihr Leben als aktive, kulturinteressierte und hilfsbereite Netzwerkerin insbesondere in und mit ihrer langjährigen Nachbarschaft. Erschüttert blieben ihre Weggefährten zurück, die Öffentlichkeit nahm das Verbrechen entsetzt zur Kenntnis. Bekannt wurde die Stuttgarterin Renate Reichert jedoch erst durch ihr überraschendes Vermächtnis.

Reicherts Nachlass als Geschenk

Bei Freunden und Nachbarn als sympathische und herzliche Person bekannt, übertrug sie ihren Nachlass mehreren gemeinnützigen Organisationen, darunter der Eva Mayr-Stihl Stiftung in Waiblingen. Mit diesem Vermächtnis verband Renate Reichert eine explizite Auflage: Ihr Vermögen sollte „zur Förderung zeitgenössischer Künstler, zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses und zur Durchführung von Ausstellungen für solch junge Talente" eingesetzt werden. Damit legte Renate Reichert den Grundstein für die Entstehung des Waiblinger Papierkunststipendiums.

Ein bundesweit einzigartiges Stipendium

Dem Wunsch Renate Reicherts folgend entstand das bundesweit einzigartige Stipendium für Zeichnung und Papierkunst der Stadt Waiblingen. Das Besondere des Stipendiums ist der generationenübergreifende Charakter: Etablierte Kunstschaffende, d.h. die Hauptstipendiatin oder der Hauptstipendiat, begleiten die Nachwuchskünstlerinnen und –künstler während ihres Aufenthaltes in Waiblingen als Mentor oder Mentorin. Der direkte Austausch der Kunstschaffenden untereinander über Techniken und Arbeitsweise sowie die Vernetzung der Künstlerinnen und Künstler sind dabei wichtige Bestandteile zur Förderung des Nachwuchses.

Eine weitere Besonderheit des Stipendiums ergibt sich durch die Spezialisierung auf Zeichnung und Papierkunst. Übereinstimmend mit der Ausrichtung der Galerie Stihl Waiblingen legt das Stipendium seinen Fokus auf Zeichenkunst und das Medium Papier in seiner ganzen Bandbreite. Die reiche Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten, die das Papier und die Zeichnung seit Jahrhunderten innehat, sowie die Faszination für das künstlerische Schaffen aus und auf Papier zeigt sich in den prämierten zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern.

Meilenstein der Nachwuchsförderung

Die ersten internationalen Künstlerinnen sind mittlerweile vor Ort in Waiblingen zu Gast und füllen das Stipendium mit Leben. Die Künstlerinnen und Künstler tragen jede und jeder für sich das Vermächtnis von Renate Reichert von Waiblingen aus in die Welt. Dank der mehr als großzügigen Spende wird das Stipendium zukünftig alle zwei Jahre ausgeschrieben. Somit ermöglicht Renate Reichert einen Meilenstein der Nachwuchsförderung und bleibt auf diese Weise stets präsent und in dankbarer Erinnerung.

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